FDP Dessau-Roßlau
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Leserbrief zu den Artikeln „Herbert Bayer“ und „Innenstadtentwicklung“

Von Joerg Schnurre*

Dessau-Roßlau, das ist irgendwie nur Geschichte. Wir schaffen es nicht, die Geschichte in spannende Geschichten zu verwandeln, die in der Jetztzeit Menschen begeistern. Dass Thomas D von den Fantastischen Vier Dessau-Roßlau bisher nicht kannte, sagt so ziemlich alles. Ein anderes Beispiel ist Andreas Hilgers Artikel über den Bauhausmeister Herbert Bayer. Dieser ist gut, aber er blendet aus, dass Bayer den Campus des weltbekannten Aspen Instituts in Colorado entworfen hat. Dort fand nicht nur eine wichtige Goethekonferenz statt, sondern auch viele Designkonferenzen. Auf einer war sogar der junge Steve Jobs, der beim Betreten des Campus den Bauhausgedanken der gesamtheitlichen Gestaltung verstand und förmlich aufsog. Als „Bauhaus-Besessen“ hat ihn seine damalige Partnerin beschrieben. Es gibt also eine direkte Verbindung von Dessau-Roßlau nach Cupertino. Vom Bauhaus zu Apple. Von damals zu heute. Davon kann man zwar nichts kaufen, aber immer wieder Begeisterung wecken. Junkers hatte seinen Anteil daran. Er verstand, dass er gute Arbeitskräfte in die Stadt holen musste, um seine Ideen umsetzen zu können.

Und heute? Unseren Mittelstand in allen Ehren. Ohne ihn wäre unsere Stadt schon längst verloren. Es fehlen aber Unternehmen mit hohem Innovationsgrad und wir arbeiten nicht daran, dass diese hier entstehen können. Das muss nicht die nächste Fabrik sein. Digitalunternehmen wären ebenso gut. Denn viel Platz haben wir im Stadtgebiet nicht mehr. Aber leerstehende Wohnungen. Und so fehlen die jungen, gut ausgebildeten Arbeitskräfte mit Denkleistung, mit denen nicht nur die Kaufkraft in der Innenstadt steigt, sondern durch höhere Dichte mehr Energie und damit neue Geschäftsideen entstehen. So schließt sich der Kreis zum Chef des Rathaus Centers Hans-Jörg Bliesener. Seine Kritik schlägt in die richtige Kerbe, dass es zunächst einmal mehr Menschen in der Innenstadt braucht. Dauerhaft. Es ist schon traurig, dass Wirtschaft, Handel und Gastronomie Steuern zahlen, Arbeitsplätze schaffen und Vereine unterstützen dürfen, aber im Umkehrschluss kein Citymanagement durch die Stadt finanzierbar ist. Von Seiten der Stadtspitze sind weder eine Gesamtstrategie noch Handlungswillen erkennbar. Ja, es wird ein neues und sicherlich „tolles“ Innenstadtentwicklungskonzept erarbeitet. Das entscheidende ist aber nicht das Papier, sondern dessen Umsetzung. Da wird seit Jahren jedoch nichts oder nur halbherziges geliefert. Das motiviert die Stadtgesellschaft nicht, mit Begeisterung spannende Geschichten über die Stadt zu erzählen. Womit wir wieder auf Anfang stehen und dort verweilen. Seit Jahren.

* Die Beiträge unserer Mitglieder spiegeln nicht immer die Meinung des Kreisvorstandes sowie des Kreisverbandes wider.


29. September 2025

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